Kühlschrankmagnet

Die UNO aus der Alltagsperspektive der Mitarbeiter*innen verstehen

Dieses Foto zeigt die auf einem Kühlschrankmagnet gedruckte Eingangsszene, wie sie sich am Vienna International Center (VIC), einem der vier offiziellen Amtssitzen der Vereinten Nationen (UNO), abspielen könnte.

Die abgebildete Szene vergegenwärtigt das alltägliche Passieren am Eingang «Gate 1» und erinnert sogar beim Öffnen des Kühlschranks an ein sprichwörtliches Übergangsritual: Die UNO-Beschäftigten überschreiten täglich die unsichtbare Schwelle vom öffentlichen Raum der Stadt Wien hinein in die abgeschirmte Welt der UNO.

Heute, 75 Jahre nach ihrer Gründung, steht die UNO noch immer vor zahlreichen Aufgaben und Herausforderungen. Dabei geht die Relevanz von UNO-Mitarbeiter*innen oft vergessen. Insbesondere die prekäre Arbeits- und Lebenssituation von Praktikant*innen und Consultants sowie anderer flexibilisierter Beschäftigungsverhältnisse, die derzeit in diversen Arbeitssektoren beobachtbar sind, wird verschwiegen. Im UNO-Kontext kann man feststellen, dass viele jüngere Arbeitnehmende prekäre Beschäftigungsverhältnisse in Kauf nehmen, in der Hoffnung, dass sich dies positiv auf ihre Berufskarriere auswirken wird. Aus kulturanthropologischer Sicht fragt sich also: Werden flexibilisierte Beschäftigungsverhältnisse zum prekären Privileg?  

Alltagsgegenstände wie dieses Kühlschrankmagnet sind der Schlüssel zu Forschungs- und Interessensfeldern. Eine Organisation aus der Alltagsperspektive zu untersuchen, ermöglicht es, die Auswirkungen des aktuellen Arbeitsregimes auf das Leben der UNO-Mitarbeiter*innen zu betonen. 

Bild & Text Linda M. Mülli 12.10.2020


Hilfsgüter in Calais

Hilfsgüter in Calais

Calais, Sommer 2019: In diesem Lagerraum sortieren internationale Freiwillige Hilfsgüter für Geflüchtete, die ohne Obdach in Calais leben und versuchen nach England zu reisen (https://helprefugees.org/volunteer/calais/ ). Gespendete Kleidung wird nach Grösse für Frauen, Kinder und Männer sortiert. Auch Schlafsäcke, Decken und Zelte werden gebraucht. In einem anderen Teil des Gebäudes befindet sich eine Küche, in der Freiwillige 1500–2000 Mahlzeiten am Tag kochen (https://www.refugeecommunitykitchen.com/). Güter und Mahlzeiten werden an verschiedenen Orten an Geflüchtete verteilt.  Die Situation von Sans Papiers auf dem Weg durch Europa ist Teil unseres Forschungsprojektes im nccr – on the move (https://nccr-onthemove.ch/projects/perimeters-of-multilayered-democratic-citizenship-in-a-mobile-and-multicultural-world/).

Text + Foto: Katrin Sontag / 01.09.2020


Grenzen in Europa: Der Strand von Calais

Grenzen in Europa: Der Strand von Calais

Calais, Sommer 2019: Wenn man am Strand steht, erscheint England zum Greifen nahe, die Fähren pendeln regelmässig und unterirdisch läuft der Verkehr durch den Tunnel. Eine andere Bedeutung hat diese Distanz für viele Geflüchtete, die aus verschiedenen Ländern kommen und sich von Calais aus ohne Papiere auf den Weg nach England machen. Einige versuchen, mit kleinen Booten überzusetzen, eine gefährliche Reise, die an die Situation im Mittelmeer erinnert. Aktuell gibt es wieder politische Diskussionen zwischen England und Frankreich darüber, wie die Grenzen noch stärker kontrolliert werden können. Die Situation von Sans Papiers auf dem Weg durch Europa ist Teil unseres Forschungsprojektes im nccr – on the move (https://nccr-onthemove.ch/projects/perimeters-of-multilayered-democratic-citizenship-in-a-mobile-and-multicultural-world/).

Text + Foto: Katrin Sontag / 18.08.2020


Unterwegs: Exkursionen als forschendes Lernen

Das waren noch Zeiten! Vor ziemlich genau einem Jahr, im Juni 2019, gingen die kulturanthropologischen Institute Basel und Freiburg zusammen auf Exkursion am Oberrhein. Den Rahmen bot "Kulturanthropologie transnational", ein Format, in dem Masterstudiengänge beider Universitäten kooperieren. Die Gruppe erkundete beide Städte und Museen, sah auf Flüsse und Kirchtürme, inspizierte stolze Bürgerhäuser und alternative Stadtquartiere. Ein inhaltlicher Schwerpunkt war der Weinbau, der die Landschaft formte und formt. Und so genossen wir eine Führung durch das Weingut von Michael Höfflin Bötzingen ebenso wie seine Kaiserstühler Weine. 

Das waren noch Zeiten! Und Sie kommen bald wieder: Als praxisorientierte Form des forschenden Lernens gehören Exkursionen zur Kulturanthropologie wie der Tag zur Nacht. Derzeit verhindert sie die Corona-Pandemie. Aber schon für das Frühjahr 2021 starten wir wieder. Ulrike Langbein, die auch die Oberrhein-Exkursion vorbereitet hatte, ist bereits in Vorfreude. Sie bereitet eine Städte-Exkursion nach Sachsen körper- und modegeschichtlichen Schwerpunkt vor: In Dresden wartet das berühmte Deutsche Hygiene-Museum, in Dessau das Bauhaus-Museum. An der Kunsthochschule Burg Giebichenstein entdecken wir Mode-Design vom Feinsten. In Leipzig wird Musik, Kunst und Stadtkultur satt zu erleben sein. Wir freuen uns darauf!

Text: Ulrike Langbein / Fotos: Petra Dokic / 15.07.2020


Normalisierungen – Schutzmasken auf dem Boden

Normalisierungen – Schutzmasken auf dem Boden

Ein solcher Anblick wäre zu Beginn dieses Jahres noch etwas völlig Exotisches gewesen. Nach dem Ende des Corona-Lockdowns wird der Mund-Nasen-Schutz zum alltäglichen Phänomen wie andere auf dem Boden liegende Gegenstände auch. Die kulturwissenschaftliche Perspektive kann helfen, solche Alltagsphänomene bewusster und damit verstehbarer zu machen: Selbstverständliches, Innovationen, aber auch neue «Normalisierungen» mit allen ihren Werthaftigkeiten.

Bild + Text: Eberhard Wolff / 01.07.2020