Fachbereich Kulturanthropologie

Frankfurt 2014

Die Kulturanthropologie erforscht kulturelle Prozesse in Europa. Im Mittelpunkt stehen dabei die alltäglichen Selbstverständlichkeiten und Lebensweisen der Menschen. Kultur, ein Schlüsselbegriff der Kulturanthropologie, meint nicht „Hochkultur“ oder bildungsbürgerliches Kapital, sondern vielmehr die Art und Weise, wie Menschen ihr Leben gestalten und ihm Sinn verleihen, und die Regeln, nach denen sie miteinander verkehren, sich untereinander verständigen und voneinander abgrenzen. Wie reagieren sie auf Veränderungen und Herausforderungen des Alltags? Wie leben Menschen mit den unterschiedlichsten kulturellen Vorstellungen in komplexen Gesellschaften zusammen? Wie entstehen Identitäten und Zugehörigkeiten, Stereotype und Feindbilder, wie Geschlechter-, Generationen- und Schichtverhältnisse? Die Kulturanthropologie untersucht die vielfältigen Erfahrungswelten und Lebensstile, z. B. Medienkonsum, Szeneaktivitäten, Ernährungsgewohnheiten, Kleidungsstile, Freizeitbeschäftigungen und Identitätspolitiken. Sie analysiert die Zusammenhänge zwischen dem Lokalen und dem Globalen, der Gegenwart und der Geschichte, dem Vertrauten und dem Fremden, dem Überlieferten und dem Neuen. Dabei zeichnet sie sich durch einen mikroanalytischen Blick auf konkrete Räume, Ereignisse, Situationen und Menschen aus. Sie arbeitet sowohl mit ethnographisch-qualitativen Methoden der Feldforschung (teilnehmende Beobachtung, Interviews) als auch mit historischen, bild-, und objektanalytischen Untersuchungswerkzeugen. Immer wird dabei Kultur als dynamischer Aushandlungsprozess verstanden, nicht als ein statisches Gebilde von ehern scheinenden Werten. Traditionen sollen als Güter im Wandel gesehen werden. Menschen formen, entwickeln und verändern mit ihren Handlungen jene Werte, die wir mit dem Begriff Kultur verbinden.


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