Sebastian Dümling

Dr. Sebastian Dümling


Assistent / PostDoc (Professur Leimgruber)

Büro

Seminar für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie
Rheinsprung 9/11
4051 Basel
Schweiz

Sebastian Dümling

Sebastian Dümling hat an den Universitäten Göttingen und Wien Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie sowie Mittlere und Neuere Geschichte studiert. An der Philosophischen Fakultät Göttingen wurde er 2016 mit einer diskursanalytischen Arbeit über historische Gesellschaftsimaginationen promoviert. Während der Arbeit an seiner Dissertation war er Stipendiat am DFG-Graduiertenkolleg ‚Expertenkulturen des 12. bis 18. Jahrhunderts‘ und absolvierte einen Forschungsaufenthalt am Queen Mary College, London. Nach der Promotion hat Sebastian Dümling in Göttingen an der Akademie der Wissenschaften, am Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte und am Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie in Lehre und Forschung gearbeitet. Im Frühjahr 2018 hat ihn ein Lehrauftrag ans Zürcher Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft geführt. 

In seinem Postdoc-Projekt „Die Gegenwarten der Geschichte“ interessiert sich Sebastian Dümling für Geschichte als Ressource gegenwärtigen Welterlebens und -erschliessens. In verschiedenen gesellschaftlichen Feldern werden, so seine Ausgangsbeobachtung, historische bzw. historisierende Semantiken, Narrative, Ideologeme herangezogen, um Wirklichkeit verstehbar und erfahrbar zu machen: So kontrastieren politische Bewegungen die angeblich korrumpierte Gegenwart mit einem angeblich harmonischen ‚Früher‘, in TV und Kino wird Gegenwartskultur in mal mehr mal weniger fantastischen Geschichtswelten verhandelt, aktuelle Popmusik re-aktualisiert permanent ihre eigene Vergangenheit, und historische, analoge Techniken werden als Alternativen zur Digitalität eingestuft (Vinylrevial). An diesen Geschichtsreferenzen interessieren Dümling weniger die anhängigen – und hinlänglich erforschten – Authentizitäts- und Eigentlichkeitsfiktionen; er arbeitet vielmehr die Geschichten heraus, die durch die Rückgriffe auf Geschichtentstehen. Mit Konzepten der (kulturanthropologischen) Erzählforschung untersucht Sebastian Dümling die narrative Konstruktion der Gegenwartskultur, indem er in den Geschichtsaneignungen Erzählmaterial erkennt, das der Gegenwart alternative Sozial- und Kulturmodelle entgegensetzt. Ziel soll sein, diese erzählerisch generierten Alternativmodelle genauer zu bestimmen.

Forschungsinteressen:

  • Geschichtskulturen
  • Erzähl- und Diskursforschung
  • Politische Kulturforschung
  • Geschichte der Volkskunde und Geschichtswissenschaft

 

Publikationen:

  • Monographien:

Träume der Einfachheit. Gesellschaftsbeobachtungen in den Reformschriften des 15. Jahrhunderts (Historische Studien, 511). Husum 2017.

Die Vita-Communis-Idee als Grundmuster utopischen Denkens? Eine Untersuchung von Thomas Morus’ Utopia und der Reformschrift des sog. Oberrheinischen Revolutionärs. Göttingen 2008.

  • Herausgeberschaften:

Zusammen mit Johannes Springer (Hg.): Die ‘einfachen Leute’ des Populismus/The ‘common people’ of populism. Schweizerisches Archiv für Volkskunde (Themenheft/Special Issue, 116/1), 2020.

  • Aufsätze:

Das Geschlecht der Geschichte – Historie als antifeministische Ressource der Neuen Rechten. In: GENDER – Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft. Erscheint 2021.

Zeit-Politik: Die alten Reiche der neuen Rechten. In: Kollmorgen, Raj, Steven Schäller, Johannes Schütz (Hg.), Die neue Mitte? Ideologien, Strategien und Bewegungen der Neuen Rechten (Schriften des Deutschen Hygiene-Museums, 13). Erscheint 2020.

Verfasser, Autoren, Erzähler – Zugänge zur Textlichkeit der "Reformatio Sigismundi". In: Rhode Maria, Ernst Wawra (Hg.): Quellenanalyse. Ein epochenübergreifendes Handbuch für das Geschichtsstudium. Stuttgart 2020, S. 212–220.

«I want to live like common people» – Populismus und das multiple Begehren nach den «einfachen Leuten».  Eine einführende Skizze, in: Dümling, Sebastian, Johannes Springer (Hg.): Die ‘einfachen Leute’ des Populismus/The ‘common people’ of populism. Schweizerisches Archiv für Volkskunde (Themenheft/Special Issue, 116/1). Zürich 2020, 9–19.

Der Tell, das Dieselverbot und das Blackwashing Europas. Überlegungen zu einer Grammatik der Verschwörungsbeobachtung, in: Frizzoni, Brigitte (Hg.), Verschwörungserzählungen (Tagungsband zur 10. Tagung der dgv-Kommission für Erzählforschung). Würzburg 2020, 89–103.

Ordnung, Kontingenz, Krise – Zur Narratologie des Schlosses, in: Fabula. Zeitschrift für Erzählforschung (60), 2019, 38–49.

Volk durch Verfahren – Populismus als «Diskurseffekt», in: Merkur. Zeitschrift für Europäisches Denken 841 (Juni 2019), 87–93.

Das freie Fluten der Stämme. Die neue Mensa als gouvernementales Regime, in: kultuRRevolution – zeitschrift für angewandte diskurstheorie, 75 (2018); Sonderausgabe: Nabila Abbas/Aristotelis Agridopoulos (Hg.), Demokratie – Ästhetik – Emanzipation. Jacques Rancières transdisziplinäres Denken, 62–65.

AfD (um 1500). In: Merkur. Zeitschrift für Europäisches Denken 834 (November 2018), 72–77. Ausgewählt und übernommen von zeit-online.de (am 3. November 2018): https://www.zeit.de/kultur/2018-11/demokratie-afd-historischer-vergleich-moderne-weimar-deutschland-politik

Game of Thrones als politische Krisenerzählung. Wo sich Frauke Petry und Daenerys Targaryen treffen, in: Spiegel Online, 15.07.2017.

Killing Fear by Killing Time. Stoker’s Dracula as an Epochal Conflict Narrative, in: Narrative Culture (3/2), 2017, 180–205.

„Hauptsache es kommen Leute!“ Über den Umgang des Goslarer Einzelhandels mit dem Weltkulturerbe-Label, in: Hemme, Dorothee, Markus Tauschek (Hg.), Leben im Weltkul­turerbe. Ethnographische Skizzen zum alltagskulturellen Umgang mit dem Prädikat „UNE­SCO-Welterbe“ (Göttinger kulturwissenschaftliche Studien, 2). Göttingen 2008, 115–126.

Volkstum, Wurzelrassen und Neuheidentum: Geschichte des deutschen Volkstumsbegriffs und seiner esoterischen Formationen, in: Zeitschrift für Volkskunde in Niedersachsen (23), 2006, 4–14.

  • Sonstige Beiträge:

Ausgelächelt (vorerst). Gedanken aus dem Corona-Alltag, in: alltag in der krise. Kulturwissenschaftliche notizen (blog), 18. Mai 2020, https://alltaginderkrise.org/2020/05/18/ausgelachelt-vorerst-gedanken-aus-dem-corona-alltag.

Telebasel: «O’zapft is» auch in der Region Basel. Das Oktoberfest wird immer beliebter in der Region. Doch was steckt dahinter? Telebasel hat Kulturwissenschaftler Sebastian Dümling nach den Gründen gefragt (04.10.2019) https://telebasel.ch/2019/10/04/ozapft-is-auch-in-der-region-basel/?channel=32341

Telebasel: Burger-Brutzeln auf der Strasse. Von saftigen Burgern über Kängurufleisch bis hin zu Frozen Yoghurt – immer mehr Leckereien sind direkt auf der Strasse zu haben (22.05.2019) https://telebasel.ch/2019/05/22/report-burger-brutzeln-auf-der-strasse/?channel=105100

Radio 80000 (München): Über Pop und Volk (Pop Nicht Volk, Nr. 09, 05.04.2019) https://www.radio80k.de/show/pop-nicht-volk/

  • Rezensionen:

Rezension zu ‹Chamayou, Grégoire: Die unregierbare Gesellschaft: Eine Genealogie des autoritären Liberalismus. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2019›. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 16/1 (2020), 120–122.

Rezension zu ‹Dany, Hans-Christian: MA-1. Mode und Uniform. Hamburg: Nautilus, 2018›. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 16/1 (2020), 124–126.

Rezension zu ‹Groebner, Valentin: Retroland. Geschichtstourismus und die Sehnsucht nach dem Authentischen. Berlin: Fischer, 2018›. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 15/1 (2019), 92–94. 

Rezension zu ‹Beckert, Jens: Imaginierte Zukunft. Fiktionale Erwartungen und die Dynamik des Kapitalismus. Berlin: Suhrkamp, 2018›. In: Fabula. Zeitschrift für Erzählforschung 60/1–2 (2019), 166–168.

Rezension zu ‹Hermand, Jost: Die Wenigen und die Vielen. Trägerschichten deutscher Kultur von den Anfängen bis zur Gegenwart. Köln, Weimar, Wien: Böhlau, 2017›. In: Zeitschrift für Volkskunde 115/1 (2019), 114–115.

Rezension zu ‹Peter Raedts, Die Entdeckung des Mittelalters. Geschichte einer Illusion. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2016›. In: Historische Zeitschrift 306/1 (2018), 181.

Rezension zu ‹Jaroslaw Wenta (Hg.), The Cinematic Discourse on the Middle Ages. Toruń: Nicolaus Copernicus University Press, 2015›. In: Historische Zeitschrift 304/3 (2017), 481.

Rezension zu ‹Joseph Canning, Ideas of Power in the Late Middle Ages, 1296–1417. Cambridge: Cambridge University Press, 2011›. In: Historische Zeitschrift 301/2 (2016), 498.

 

Mitgliedschaften:

  • Deutsche Gesellschaft für Volkskunde (DGV)
  • Mitglied in der DGV-Kommission «Erzählforschung»
  • Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde (SGV)
  • Göttinger Zentrum für Theorie und Methoden der Kulturwissenschaften (ZTMK)
  • Interdisziplinäre Forschungsgruppe «(In) Konjunkturen denken»