Webshop des Seminars für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie

Seminar für Kulturwissenschaft: «Z'Basel an mym Rhy» - Beziehungen einer Stadt zu ihrem Fluss

Der neue Standort des Seminar für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie der Universität Basel – die Alte Universität am Rheinsprung – ruft nach einer kulturanthropologischen Perspektive auf jenen Fluss, der hier gemächlich durch die Stadt Basel fliesst, diese in zwei Stadtteile trennt und gleichzeitig mit der Schweiz und der Welt verbindet.

Der Rhein in Basel ist dabei nur ein sehr kurzer Abschnitt der insgesamt fast 1’233 Kilometer, welcher der Fluss von seiner Quelle im Gotthardgebiet bis zu seiner Mündung in die Nordsee misst. Im Rahmen des Seminars Z’Basel an mym Rhy  haben wir – inspiriert durch diese inoffizielle Stadthymne – nach den vielfältigen Beziehungen zwischen dieser Stadt und ihrem Fluss gefragt. Wir wollten erfahren, was den ‹Basler Rhein› ausmacht – und von anderen Rheinabschnitten unterscheidet – und wie der Fluss als ein zentrales Element urbaner Entwicklungen, Praktiken, Debatten, Erzählungen und Vorstellungen beschrieben werden kann. Diese Publikation fasst unsere Erkundungen am, über den und auf dem Basler Rhein zusammen.

Die Publikation kann hier als PDF [PDF (19.1 MB)] oder als barrierefreies Worddokument [DOCX (5.3 MB)] oder PDF [PDF (2.6 MB)] heruntergeladen werden.


Eberhard Wolff: Medizin und Ärzte im deutschen Judentum der Reformära. Die Architektur einer modernen jüdischen Identität.

1. Auflage 2014, 292 Seiten

Vandenhoeck & Ruprecht, Jüdische Religion, Geschichte und Kultur (JRGK) - Band 015,  ISBN 978-3-647-56943-7 https://redesign-kulturwissenschaft.philhist.unibas.ch/.

Ärzte und Medizin waren Brennpunkte des grundlegenden kulturellen Wandels, den die Juden in Deutschland in der Zeit der Haskala (der jüdischen Aufklärung) und der sich anschließenden Reformära bis ca. 1850 durchmachten. Eberhard Wolff arbeitet anhand von Detailstudien heraus, dass ein modernes, variables Verständnis vom Jüdischsein und eine differenziert konstruierte jüdische Identität in dieser Zeit gerade unter jüdischen Ärzten entwickelt und gerade anhand medizinisch relevanter Themen diskutiert wurden. An lokalen Beispielen wie Berlin, Hamburg, Göttingen und Dresden werden Themen wie der Reformeifer und das säkularisierte Berufsverständnis jüdischer Ärzte untersucht sowie Reformdebatten um die »frühe Beerdigung«, die jüdische Beschneidung oder die Krankenbesuchsgesellschaften einer Analyse unterzogen. 

Das entwickelte moderne jüdische Selbstverständnis hatte eine komplexe »Architektur«, die weit über simple »Assimilation« oder ein einfaches Modell hybrider Verschmelzung mit bürgerlichen Werten hinausging. So unterschieden jüdische Ärzte mit einem professionellen Habitus gezielt zwischen ihrer ärztlichen und ihrer jüdischer Identität. In Reformdebatten etablierten sie sich als weltliche Experten des Jüdischen und entwickelten ein kulturelleres Verständnis des Jüdischseins mit neuen Leitwerten und Legitimationen, das kompatibel war mit den Anforderungen der Moderne, ohne mit den jüdischen Traditionen generell zu brechen. Ihr jüdisches Selbstverständnis mit sektoriellen und situativen Differenzierungen sowie bewussten Asymmetrien war der Versuch einer Stabilisierung jüdischer Identität im historischen Wandel. Es war eine eigenständige kulturelle Leistung aufgrund eines originären Modernisierungswillens und nicht nur, um Anerkennung in der christlichen Mehrheitsgesellschaft zu finden.