Sinnlichkeit: Wahrnehmung, Atmosphären und Körperpraxen

Wie Menschen mit ihren Umgebungen in Beziehung treten, ist wesentlich eine Angelegenheit von Sinnlichkeiten und Gefühlen. Im Mittelpunkt des Clusters steht deshalb die Analyse, wie Menschen mit ihren Körpern und Sinnen sich selbst und ihre Umwelt wahrnehmen, wie sie mit und durch ihre Körper Kultur gestalten, deuten sowie ihrerseits darüber geprägt werden, und wie Atmosphären und Ästhetiken ihr Befinden beeinflussen.

Verantwortlicher Ansprechpartner: Eberhard Wolff

Weitere Beteiligte: Ina Dietzsch, Michel Massmünster, David Bozzini, Ulrike Langbein, Leonie Häsler, Laura Hompesch, Thomas Heid, Uta Karrer, Laura Hompesch, Miriam Cohn

Forschungsprojekte

Dr. Ulrike Langbein, Mag. Laura Hompesch

Das Forschungsprojekt wird in Zusammenarbeit mit dem Institut Experimentelle Design- und Medienkulturen der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW sowie dem Amt für Kultur, Archäologie und Museum Baselland durchgeführt.

Kooperationspartner_innen:

 

Pressespiegel Hanro-Sammlung:

 

Dissertationen

Die Dissertation von Thomas J. Heid (Cotutelles-de-thèse der Universitäten Basel und LMU München) ist eine arbeitsethnographische Analyse zum Wandel des Berufsbildes Deutscher und Schweizer Finanz-⁄Versicherungsberater, in deren Zentrum das Stichwort "Vertrauen" auszumachen ist. Infolge einer oft als „neoliberal" apostrophierten, jedenfalls dynamisch gewendeten Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik des aktivierenden Sozialstaats mit seinen Reformen und Reformvorhaben gewann die private, eigenverantwortliche Finanzplanung mit Altersvorsorge-Absicherung für eine Vielzahl von Menschen in der Bundesrepublik Deutschland an grosser Bedeutung. In der Schweiz ist diese Richtung einer gemischten Verantwortung schon länger eingeschlagen worden. Vor diesem Hintergrund scheint im Fokus des Arbeitsalltags heutiger Berater zum einen das Gewinnen und Bewahren des Vertrauens ihrer zunehmend detailliert informierten, teils auch sehr fachkundigen und kritischen Kunden sowie zum anderen das Bewahren des Glaubens der Anleger an die Renditeversprechen der angebotenen abstrakten Finanzprodukte zu stehen. Beides ist in hohem Masse für ein erfolgreiches Agieren am Markt verantwortlich. Das Dissertationsprojekt wird in diesem Zusammenhang den Wandel der Berufsgruppe der selbständigen und abhängig beschäftigten Finanz-/Versicherungs- und Vermögensberater in Deutschland und der Schweiz aus der Akteursperspektive wie auch aus Sicht der Kunden anhand einer Auswahl von in verschiedenen Segmenten tätigen Beratern erforschen.

Betreuer der Cotutelles-de-thèse: Prof. Dr. Jacques Picard (Universität Basel) und Prof. Dr. Irene Götz (Universität München)

Das Dissertationsprojekt ist eine historisch-kulturwissenschaftliche Untersuchung zur Entstehung und Entwicklung von Marken. Als empirisches Untersuchungsbeispiel dient hier die Marke Hanro, entstanden aus der 1884 in Liestal gegründeten Feinstrickerei Handschin & Ronus, die bis heute ein Sinnbild für luxuriöse Schweizer Unterwäsche darstellt.

Die Arbeit verfolgt das Ziel, den Prozess der Markenbildung systematisch zu rekonstruieren, die mit der Marke verbundenen Bilder und Vorstellungen zu analysieren und nach ihren Bedeutungen zu befragen. Dabei steht die Frage im Fokus, wie sich im Zusammenspiel unterschiedlicher Medien der Markenkommunikation ein spezifisches Bild der Marke konstituiert, dass sich sowohl in visuellen als auch in mentalen Bildern im kollektiven Gedächtnis manifestiert. 

Das Forschungsvorhaben untersucht Aspekte der Markenbildung auf der institutionellen Ebene des Unternehmens selbst (historische Entwicklung, Organisationsstruktur, Unternehmenskultur) und auf der vermittelnden Ebene der Unternehmenskommunikation (Werbung, PR, Absatzförderung). Es fragt nach Profilierungs- und Professionalisierungsstrategien, die notwendig waren um sich auf dem umkämpften Markt von der Konkurrenz abzuheben und untersucht, welche firmeninternen Strukturen hierzu geschaffen wurden.  

Marken unterscheiden sich von anderen Produkten u.a. dadurch, dass mit ihnen bestimmte Ideen und Lebensstile, Normen und Wertvorstellungen verbunden sind. Indem das Forschungsvorhaben werbende Bilder und Texte, Produktinszenierungen und PR-Maßnahmen in ihrem jeweiligen zeitlichen Kontext untersucht, versucht es die kulturellen Bedeutungen zu ermitteln, die die Marke produziert und vermittelt. 

In der kulturwissenschaftlichen Forschung stellen systematische Untersuchungen, die sich mit Markenbildungsprozessen befassen, bisher eine Leerstelle dar. Anhand der Untersuchung der Entwicklung der Marke Hanro beabsichtigt das Forschungsvorhaben diese Leerstelle zu schließen und ein kulturwissenschaftliches Verständnis der Bedeutung von Marken zu schärfen. 

Das Dissertationsprojekt ist Teil des SNF-Projektes „Der modellierte Mensch. Kleidung als kulturelle Praxis. Das Beispiel der Hanro AG 1884-2012“, das seit 2014 in Zusammenarbeit mit dem Institut Experimentelle Design- und Medienkulturen der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW und der Abteilung Museum und Archäologie Baselland durchgeführt wird. 

 

Betreuer: Prof. Dr. Walter Leimgruber

Abgeschlossene Dissertationen

Inwieweit hat sich die Systemgrenze, die Europa bis 1989 teilte, nicht nur politisch, sondern auch kulturell ausgewirkt? Dieser Frage widmet sich die Dissertation anhand der Diskursanalyse eines bislang wenig beachteten Aspekts der Repräsentation und Konstruktion des östlichen Europas: Publikationen und Ausstellungen so genannter polnischer „Naiver Kunst“. Sowohl in der Volksrepublik Polen als auch in der Bundesrepublik Deutschland erfreute sich polnische „Naive Kunst“, die mit Überschneidungen auch als „sztuka ludowa“ („Kunst des Volkes“) bezeichnet wurde, zwischen den 1960er bis in die 1980er Jahre starker Popularität. In einem ersten Schritt stellt das Dissertationsprojekt die politische Förderung und Funktionalisierung der „sztuka ludowa“ in der Volksrepublik Polen dar. Anhand postkolonialer Ansätze (Bhabha 1994) werden daraus entstehende Widersprüchlichkeiten und Konsequenzen aufgezeigt. Ein zweiter Schritt legt dar, welche Selbst- und Fremdkonstruktionen sich in Sammlungen und Präsentationen polnischer „Naiver Kunst“ in der Bundesrepublik Deutschland manifestierten. Die Analyse zeigt auf, dass Polen in einem Grenzbereich Europas verortet und ambigue, zugleich als kulturell und zivilisatorisch entfernt, dargestellt wurde. Die Konstruktion von Polen als im Unterschied zum westlichen Europa nicht industrialisiertem, naturnahen Ort, in dem ländliche Leben als authentisch aufgefasste Kreativität in Form von Polnischer „naiver Kunst“ hervorbrachte, wurde verbunden mit der Zuschreibung wirtschaftlicher und kultureller Rückständigkeit. Des Weiteren argumentiert die Dissertation, dass die in Publikationen und Ausstellungen zentral thematisierte Schuldfrage bezüglich des Zweiten Weltkrieges kombiniert und ersetzt wird durch die Inanspruchnahme einer helfenden und kulturtragenden Rolle als Zivilisationsträger.

Supervisor:Walter Leimgruber

Co-Supervisor:Johannes Moser (LMU München)

Uta Karrer promovierte in Kulturanthropologie/Europäischer Ethnologie an der Universität Basel und der LMU München. An der Universität Bonn, der Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM) sowie der Adam-Mickiewicz-Universität Poznań hat sie Ethnologie und Kulturanthropologie studiert. 

Während ihres wissenschaftlichen Volontariats am Völkerkundemuseum Herrnhut, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, war sie an dem Projekt „Sammlungen neu sichten“ des Deutschen Museumsbundes beteiligt. Zuvor arbeitete sie in der Vermittlung und Museumspädagogik im Museum im Alten Schloss Schleissheim, Bayerisches Nationalmuseum sowie am Forschungsinstitut des Deutschen Museums, München. Von 2015 bis 2018 war sie in der wissenschaftlichen Erschliessung im Fotoarchiv der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde in Basel tätig.