Mobilität: Migration, Alltagsmigration, Transnationalität

Basler Tram

 

Migration und Mobilität stellen aktuell wichtige, aber auch politisch umkämpfte Felder dar. Der Forschungsschwerpunkt Migrations- und Mobilitätsforschung umfasst Projekte, die sich mit der Migration Hochqualifizierter in verschiedenen Kontexten, mit Asyl und illegalisierten Aufenthalten, aber auch mit Schweizer Auswanderung, sowie mit Ausdrucksformen wie Theater und Film befassen. Es geht dabei darum, die Perspektiven einzelner Personen, ihren Alltag, Ein- und Ausgrenzungen und die konkrete Verhandlung und Ausgestaltung von Regeln und Gesetzen zu erforschen. Wir fragen kritisch, welche Begriffe, Vorstellungen und Bilder von Migration und Mobilität existieren und wie diese entstehen, und diskutieren neue Möglichkeiten, wie aktuelle Entwicklungen und Perspektiven am besten gefasst und dargestellt werden können.

Verantwortliche Ansprechpartnerin: Katrin Sontag

Walter Leimgruber, Jacques Picard, Hélène Oberlé, Haddy Sarr, Aldina Camenisch, Seraina Müller, Bernadette Brunner, Metka Hercog, Laure Sandoz, Laura Tommila, Claudia Wilopo, Simone Gäumann, Shabih Zaidi, Linda Martina Mülli

Mailing Liste:

Die Basel Migration Group, eine transdisziplinäre Gruppe von Migrations- und Mobilitätsforschenden und Interessierten, trifft sich einmal im Monat. Für die Planung der Treffen und für inhaltlichen Austausch gibt es eine Mailingliste. Alle sind herzlich willkommen, die Anmeldung für die Mailingliste ist über Laure Sandoz möglich: laure.sandoz@unibas.ch

Veranstaltungen:

25.5.2018 9:15 Workshop „The Mobility of the Highly Skilled towards Switzerland“, Eikones Forum, Rheinsprung 9/11, Basel, Anmeldung: lucia.chen@unibas.ch.

25.5.2018 20:00 Theateraufführung Theater “Niemandsland” im Theater Arlecchino, Basel, keine Anmeldung erforderlich.

Streifzug durch die Migrationslandschaft Schweiz – Wo steht der "nccr – on the move" nach vier Jahren?
Universität Neuenburg, Freitag, 29. Juni 2018 
Wir bitten Sie, sich bis zum 8. Juni 2018 per E-Mail an info@nccr-onthemove.ch anzumelden und uns mitzuteilen, ob Sie eine Simultanübersetzung benötigen und/oder ob Sie eine Nahrungsmittelunverträglichkeit haben.

Forschungsprojekte

(Orginal: Narratives of Identity, Multi-Sited Biographies, and Transnational Life-Modes of Highly Qualified Migrants. Two Case Studies)

Personen: Hélène Oberlé, MA und Haddy Sarr, MSc

Das Projekt „Narratives of Identity, Multi-sited Biographies, and Transnational Life-Modes of Highly Qualified Migrants. Two Case Studies“ ist ein gemeinsames Projekt des Seminars für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie und des Zentrums für Afrikastudien. 

Ziel des Projekts ist es zu verstehen, wie und in welchem Ausmass Spannungen, die zwischen verschiedenen Aspekten der Globalisierung entstehen können, die Erfahrungen und Aktivitäten hochqualifizierter Migrant_innen formen. Das Phänomen der Migration hochqualifizierter Personen ist ein bedeutender Bestandteil der heutigen Globalisierung. Diese Bewegungen bedeuten für die Akteur_innen die Notwendigkeit Beziehungen innerhalb und zwischen Lokalitäten zu bewältigen. Biografien und Narrative bestimmer Gruppen hochqualifizierter Migrant_innen erlauben es uns zu analysieren, wie Lebenserfahrungen und Aktivitäten quer durch einen facettenreichen Kontext entstehen. Die Life-Mode Theorie und die Theorie der Justification dienen des weiteren als Rahmen, um die hochqualifizierten Akteure innerhalb von Globalisierungsprozessen zu positionieren sowie ihre Aktivitäten zu erklären.

Das Projekt besteht aus zwei Teilprojekten, die jeweils spezifische Gruppen hochqualifizierter Migrant_innen untersuchen:
Schweizer_innen in Israel und Israelis in der Schweiz (Hélène Oberlé)
Schweizer_innen in Senegambia und Senegambier_innen in der Schweiz (Haddy Sarr)

Schlüsselbegriffe: Migration von Hochqualifizierten, Biografie, Identität, Brain-gain/-drain/-waste/-circulation, Globalisierung, Life-Modes, Transnationalismus, kulturelle Narrative

Laufzeit: 2015 – 2018

Finanzierung: SNF

Methoden: Interviews, , Fokus Gruppen, teilnehmende Beobachtung


English:

Narratives of Identity, Multi-Sited Biographies, and Transnational Life-Modes of Highly Qualified Migrants. Two Case Studies

Researchers: Hélène Oberlé, MA und Haddy Sarr, MSc

The project „Narratives of Identity, Multi-Sited Biographies, and Transnational Life-Modes of Highly Qualified Migrants. Two Case Studies“ is a joint project by the Institute of Cultural Anthropology and European Ethnology and the Centre for African Studies.

The aim of the project is to understand how or to what extent tensions emerging between different aspects of globalization shape the experiences and activities of highly qualified migrants. The phenomenon of highly qualified migration is a significant part of today’s globalization. The movement creates the necessity for the actors to negotiate relationships across and within localities. Biographies and narratives of distinctive groups of highly qualified migrants allow us to analyze how life experiences and activities are shaped across a multifaceted context. Furthermore, theories of life-modes and justification serve as frameworks to position highly qualified actors within globalization processes and to explain their activities.

The project consists of two subprojects focusing on distinctive groups of highly qualified migrants:
Swiss in Israel and Israelis in Switzerland (Hélène Oberlé)
Swiss in Senegambia and Senegambians in Switzerland (Haddy Sarr)

Keywords: Highly skilled/qualified migration, biography, identity, brain-gain/-drain/-waste/-circulation, globalization, life-modes, transnationalism, cultural narratives

Run-Time: 2015 – 2018

Funding: SNF

Methods: Interviews, focus groups, participant observation


lic. phil. Aldina Camenisch
lic. phil. Seraina Müller 
Prof. Walter Leimgruber


Die Diskussionen über Migration beschäftigten sich in der Schweiz vor allem mit der Einwanderung und Integration von „Ausländer_innen“. Dabei wird oft vergessen, dass die Schweiz auch Auswanderungsland ist. Wer wandert aus, aus welchen Gründen geschieht dies und wie gestalten sich solche Migrationsprozesse? 
Wir verstehen Migration als durch komplexe biografische, alltagsweltliche und wirtschaftliche Dynamiken strukturierte Bewegungen. In Anlehnung an Konzepte und Diskussionen der Transnationalismusforschung fokussieren wir besonders auf Sinnkonstruktionen von Migrant_innen und deren (multi-)lokale Bezugspunkte. Wir fragen nach Beziehungsmustern ausgewanderter Schweizer_innen im Bezug auf ihre Herkunftskontexte sowie im Hinblick auf die durch die Migration neu entstandenen Kontakte. Weiterhin interessiert uns, ob diese Netzwerke zu neuartigen Konstellationen bezüglich individueller und kollektiver Identitätsnarrative, gesellschaftlicher Vernetzung, wirtschaftlicher wie auch politischer Aktivitäten führen und wie diese Konstellationen aussehen, beschrieben und analysiert werden können. 

Laufzeit: 1. August 2013 – 30. Juni 2018

Finanzierung: SNF

Methoden: Biografische Interviews, Netzwerkanalyse, teilnehmende Beobachtung

The mobility of highly skilled towards Switzerland

Personen: Prof. Walter Leimgruber, Dr. Metka Hercog und Laure Sandoz, MA, Dr. des. Katrin Sontag

Streifzug durch die Migrationslandschaft Schweiz – Wo steht der "nccr – on the move" nach vier Jahren?
Universität Neuenburg, Freitag, 29. Juni 2018

Personen: lic. phil. Bernadette Brunner

Wie wirkt sich Wohnortungleichheit auf die Zugehörigkeitskonstruktionen Jugendlicher aus? Im Zentrum stehen die Identifikations- und Abgrenzungsdynamiken unter Schülerinnen und Schülern des 8. und 9. Schuljahrs in zwei Berner Stadtteilen: Einer ist von Migration und sozioökonomischer Benachteiligung geprägt, beim anderen handelt es sich um ein privilegiertes Mittelstandsquartier mit einem niedrigen Anteil „migrantischer Bevölkerung“. Während im einen Schülerinnen und Schüler aus Klassen mit Grundanforderungen (Realschüler_innen) sowie sozioökonomisch benachteiligte Jugendliche und Kinder aus migrantischen Familien in der Mehrheit bilden, stellen sie im anderen eine Minderheit dar. Die Ungleichverteilung verschiedener Bevölkerungsgruppen im urbanen Raum strukturiert die Prozesse der Identifikation und Abgrenzung unter den Jugendlichen wie auch ihre schulischen und beruflichen Ziele. Migration zeigt sich dabei als Phänomen, das bewegt – diejenigen, die selbst wandern und ihre Nachkommen genauso wie die involvierten Gesellschaften. 

Keywords: 
Segregation, Zugehörigkeit, Jugendliche, Bildung, Migration, Selbstrepräsentation

Laufzeit: 2011 – 2014

Methoden: 
Audiovisuelle Selbstrepräsentation (Videoworkshops), teilnehmende Beobachtung, halbstrukturierte Interviews (photo elicitation)

English:

Adolescent Identity Management in Transnationalised Spaces – Audio-visual and Narrative Self-representations“

The project investigates the influence of residential segregation on the constructions of belonging among youths. It focuses on the dynamics of identification and differentiation among students aged 14 to 16 years in two different neighbourhoods in the Swiss city of Bern: one of them is marked by migration and socio-economic disadvantage, the other is more privileged and less transnationalised. Whereas in one area low-track students, socio-economically disadvantaged adolescents and migrant youths are dominant, these groups constitute minorities in the other. The uneven distribution of different sections of the population over the urban space structures the processes of identification and differentiation among the studied youths as well as their educational and professional ambitions. Thereby, migration appears as a phenomenon that does not leave untouched neither the ones migrating nor their children or the societies involved.

Keywords: Segregation, Belonging, Youths, Education, Migration, Self-representation

Publikationen:

Erscheinen demnächst:

  • Brunner, Bernadette, Kathrin Oester, Ursula Fiechter: Bern West – Ein Sozialraum aus Sicht der Jugendlichen. In: Elisabeth Bäschlin, Heike Mayer, Martin Hasler: Stadt und Umland Bern. Jahrbuch 64 der Geographischen Gesellschaft Bern. Bern.
  • Oester, Kathrin, Bernadette Brunner: L’ethnographie de la performance comme forme spécifique de la production du savoir. In: Arnd Schneider, Bernard Müller & Caterina Pasqualino: Le terrain comme mise en scène. Paris.  

Erschienen:

  • Oester, Kathrin, Bernadette Brunner: Performance Ethnografie. Jugendliche Selbstrepräsentationen im Kontext von Jean Rouchs partizipativem Forschungsstil. In: Tsantsa – Zeitschrift der Schweizerischen Ethnologischen Gesellschaft 17 (2012), 139 – 149. 
  • Brunner, Bernadette, Kathrin Oester: Doing Identity in Transnationalised Spaces – Adolescents‘ Self-representation in Urban Switzerland. Working Paper Centre on Migration, Citizenship and Development, Bielefeld 75 (2010). 

Vergangenen Lehrveranstaltungen:

  • HS 2011: „Heterogenität – Umgangsweisen mit Differenz und Ungleichheiten“, Seminar am Institut Vorschul- und Primarstufe, PHBern

Dissertationen

Theaterprojekte in Kontexten von Migration in der Region Basel (Staging Intangible Culture: Theatre Projects in Contexts of Migration)
(Subprojekt C der SNF-Projekte “Intangible Cultural Heritage: The Midas Touch?” und “Intangible Cultural Heritage in Switzerland: Whispered Words”)

Das Dissertationsprojekt untersucht die Verflechtung von nicht-professioneller Theaterpraxis und Migration in der Region Basel als Teil der SNF-Projekte „Intangible Cultural Heritage: The Midas Touch?“ und „Intangible Cultural Heritage in Switzerland: Whispered Words“. Die Projekte beschäftigen sich mit immateriellem Kulturerbe und der Umsetzung der gleichnamigen UNESCO-Konvention in der Schweiz. 
Im Dissertationsprojekt wird Migration als prozessuales Phänomen verstanden, das sich in den Biografien von Personen sowie in sozial- und kulturpolitischen Diskursen manifestiert. Als solches beeinflusst Migration Theaterpraxis, Zielsetzungen und Wertzuschreibungen. Die untersuchten Theaterprojekte dienen als konstruierte Orte der Identifikation, in denen sowohl Migrationsbezüge als auch das Leben in der Schweiz verhandelt werden. Theater in Migrationskontexten beinhaltet somit mehrfache Aneignungs- und Abgrenzungsprozesse, in denen die Praxis bedeutsamer ist als die Pflege eines Theatererbes.

Schlüsselbegriffe: Theater, Migration, performance-Theorien, immaterielles Kulturerbe, anthropology of skills, Jugend

English:

This research project investigates the interplay of non-professional theatrical practice and migration in the area of Basel and forms part of the SNF-projects „Intangible Cultural Heritage: The Midas Touch?“ and „Intangible Cultural Heritage in Switzerland: Whispered Words“. Both address intangible cultural heritage and the implementation of the corresponding UNESCO convention in Switzerland. In the PhD project migration is understood as a process-related phenomenon manifested in biographies of people as well as in social and cultural political discourses. Theatre projects serve as spaces of identifications in which topics of migration and of life in Switzerland are negotiated. This includes both appropriation and delineation, processes in which the practice of doing theatre seems more important than the safeguarding of theatre heritages. 

Key words: theatre, migration, performance-theories, intangible cultural heritage, anthropology of skills, youth

Laufzeit: 1.10.2009 – 31.3.2014
Methoden: Teilnehmende Beobachtung, semi-strukturierte Interviews

Publikationen: 

  • Cohn, Miriam: Teilnehmende Beobachtung. In: Christine Bischoff, Karoline Oehme-Jüngling & Walter Leimgruber (Hg.): Methoden der Kulturanthropologie (in print, erscheint 2013 bei UTB).
  • Cohn, Miriam: Schnittstellen von Theater, Gesellschaft und Vermittlung in Migrationskontexten. In: Myrna-Alice Prinz-Kiesbüye, Yvonne Schmidt & Pia Strickler (Hg.): Theater und Öffentlichkeit. Theatervermittlung als Problem. Materialien des ITW. Zürich 2012 (Materialien des ITW), S. 159 – 169.

Simone Gäumann

Im Zuge von Mobilität und Migration erfolgen Ortswechsel und eine meist einschneidende Veränderung der biografischen Situierung. Menschen verlegen ihren Wohn-, Arbeits- und Lebensort in eine andere kulturelle und soziale Umgebung, woraus eine Umgestaltung der jeweiligen Lebenswelt resultiert. Mit den Raumbewegungen von Menschen verschieben sich nicht nur ihre Wohnorte, sondern auch ihre Vorstellungen, Gewohnheiten und biographischen Erfahrungen. Eine Dimension, die mit der aktiven Gestaltung von Lebenswelten in Zusammenhang mit Mobilität und Migration in der sozial- und kulturwissenschaftlichen Forschung bislang nur marginal berücksichtigt worden ist, ist die Emotionalität dieses Prozesses. In diesem Dissertationsprojekt wird dieser komplexe Prozess aus einem alternativen Blickwinkel erforscht. Mit dem Gefühlskonzept der Sehnsucht werden emotionale Prozesse erfasst in Bezug auf Migrations- und Mobilitätserfahrungen. Sehnsucht als Gefühlskonzept beinhaltet ein breites Spektrum an Empfindungen und emotionalen Ausprägungen und widerspiegelt ein ambivalentes emotionales Spannungsfeld. In der ethnographischen Untersuchung mit Personen mit unterschiedlichen Migrationserfahrungen wird erforscht, welche Ausprägungen von Sehnsucht in Zusammenhang mit Migration und Mobilität in Erscheinung treten und wie sie sich äussern, wie und mit welchen Praktiken sich Menschen in Migrations- und Mobilitätszusammenhängen ihren Sehnsüchten Ausdruck verleihen sowie welche Rolle Sehnsucht im Alltag spielt und welche Bedeutung ihr zugeschrieben wird.

The aim of my cultural anthropological research project is to shed light on the work and staff culture within the United Nations. I argue that this umbrella organization with its many international bodies can be considered as place with a specific staff culture. Thus, following the agent perspective in the UN headquarters in Geneva and Vienna, this research study ultimately asks for the characteristics of the UN system and how cross-cultural relations and interactions influence professional careers and biographies.

More precisely, the main purpose of my research is to analyze the everyday performances based on how they mold work culture or identity of employees in UN organizations. It is presumed that this particular culture and the cultural practices shape the careers and biographies of international civil servants and, to a critical extent, the biographies of their family members.

My research is located at the interface among labor studies and organizational anthropology, in ritual studies tailored to the meaning in modern societies with a special focus on highly skilled professionals, and in biography studies in the context of transnational migration. 

About me:
I am a cultural anthropologist funded by the Swiss National Science Foundation (SNSF) and based at the Department of Cultural Anthropology, University of Basel, and in cooperation with the LMU Munich.

The aim of the project is to understand how or to what extent tensions, emerging between different aspects of globalization, shape the experiences and activities of highly skilled/qualified migrants. The phenomenon of highly skilled migration is a significant part of today’s globalization. The movement creates the necessity for these actors to negotiate relationships across and within localities. Through their historically differently constituted life experiences both groups construct and reconstruct individual biographies away from the traditional setting of the nation-state through a constant negotiation of their allegiances and social belonging. Theirs are biographies “on the move” shaped by various forms of transnationalism that are experienced differently. Drawing from their personal accounts and biographies this study seek to enhance the understanding of life experiences and their transnational/local activities with a view to yielding insights that may be useful in understanding the web of social relationships which make up transnationalism. With African migrants being considered key actors contributing towards the development of their countries of origin through remittances, parts of this study will further explore how migrants take the decision to remit, for example, or stay away from their countries of origin in the face of accusations of brain-drain-waste.

Khadeeja Sarr, MSc

Supervisors: Prof. Dr. Eliso Macamo, Prof. Dr. Jaques Picard 

External Supervisors: Dr. Ibrahim Dia (University of Geneva), Prof. Dr. Wendy Wilson Fall (Lafayette College)

Funded by the Swiss National Fund (SNF)

Being irregularly present in the country is unlawful under Swiss law and therefore limits the possibilities for political, social, and economic participation in society.

Nevertheless, irregular migrants - also referred to as undocumented, illegalised or sans-papiers - engage in practices of contestation that challenge their exclusion from society. These practices involve everyday visible strategies such as sit-ins, demonstrations and occupations, as well as hidden tactics of navigating the city to avoid imprisonment and deportation. Defining these practices as ‘acts of citizenship’ opens up possibilities of a more dynamic and inclusive approach to the idea of citizenship that is not limited to national membership, but can be deployed at various sites and scales. 

Understanding the urban space as a site where struggles and processes of allocation and appropriation of rights and citizenship take place, this research analyses how ’acts of citizenship‘ challenge irregular migrants‘ legal statuses and how these acts can be seen as their claim to a ‘right to have rights’ all while constituting themselves as political subjects. 

This empirical research is based go-alongs, cartography, interviews and participant observation in the city of Zurich. The objective of is to; firstly, gain more insight into the everyday lives and acts of citizenship of irregular migrants, secondly, to gain better understanding of theoretical approaches that connect urban space and migration, and thirdly, to show how irregular migrants practices of contestation allow for a new conceptualisation of urban citizenship. It seeks to develop an interdisciplinary ethnographic approach to studying their acts of citizenship, and to contribute to ongoing debates in the field of cultural anthropology, urban geography, sociology, and critical citizenship studies that challenge the ideas of the traditional notion of the nation-state, citizenship, citizenship rights, and irregular migrants as politically powerless.

Keywords: irregular migrants, urban space, bordering practices, spatialized subjectivities, acts of citizenship, urban citizenship

Supervisor: Walter Leimgruber
Co-Supervisor: Doris Wastl-Walter (Geographisches Institut, Universität Bern)

Investigating Transnational Corporate Executives and their families with a view to focusing on the Pharmaceutical companies located in Basel. The Pharmaceutical Industry in Basel has historically evolved through focus on the development of natural sciences and related technologies.  Two of the world’s largest Pharmaceutical companies, Novartis & Roche, are based in Basel and between them they employ a significant number of ‘expatriates’ from all over the world.  The concentration of pharmaceutical research and production in Basel is unique and the influx of highly skilled professionals and their families has changed the local landscape over the past few decades. I am interested in looking at some of the factors that contribute towards a ‘successful’ deployment to Basel and what some of the many challenges are from the employees, families, companies, government and local community’s perspective. Each of the stakeholders are required to contribute towards the overall success of the employment tenure in Basel. Professional Migrants: What are the networks required to support Global Mobility in Basel?

Supervisor: Jacques Picard
Co-Supervisor: Walter Leimgruber

Abgeschlossene Forschungsprojekte

Christina Besmer, MA und PD Ina Dietzsch

„Medienwelten und Alltagsurbanität“ beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von Medienpraxen und alltäglichem städtischen Leben. Wir gehen davon aus, dass städtischer Alltag von den verschiedensten Medientechnologien durchdrungen ist und Medien die Art, wie Stadt gedacht, gemacht und gelebt wird, beeinflussen. 
Städte entstehen durch Zuwanderung – sei es vom Land oder über nationale Grenzen hinweg, und der städtische Alltag ist geprägt von Mobilität – sei es durch Pendelbewegungen in die und aus der Stadt, innerstädtische Mobilität oder das Zusammentreffen von sesshaften und mobilen Bewohner_innen. Besonders interessiert uns die damit verbundene Transkulturalisierung urbaner Räume: Infolge einer Intensivierung und Diversifizierung von Mobilitäten zeichnet sich städtischer Alltag heute mehr denn je durch eine Vielfalt transkultureller Zugehörigkeiten, Alltagspraxen und Medienwelten aus. Vor diesem Hintergrund erforschen wir, wie eine wachsende kulturelle Diversität der Quartierbevölkerung sowie eine Globalisierung medialer Angebote Stadtquartiere und deren Kommunikationsstrukturen verändern. 

Schlüsselbegriffe: Medialität, Migration, Urbanität, Raumforschung, Transkulturalisierung, Super-Diversität

English version:
“Media Worlds and Everyday Urbanism“

The project “Media Worlds and Everyday Urbanism” investigates the interplay of media practices and urbanity. We assume that everyday urban life is permeated by various media technologies and that media influence the way urbanity is imagined, made and lived.
Cities result from immigration, be it from the countryside or across national borders. Also, the everyday urban life is shaped by mobility, be it by in and out commuting movement, inner-city mobility or the co-habitation of sedentary and mobile citizens. In regard to migration we are particularly interested in the related transculturalisation of urban spaces: Due to the intensification and diversification of mobility, everyday urban life today is more than ever characterised by a multitude of transcultural affiliations, everyday practices and media worlds. Against this background we examine how an increasing cultural diversity of the population as well as the globalization of media changes urban neighbourhood districts and their structures of communication.

Key words: Media anthropology, migration, urbanity, transculturalisation, super-diversity, spatial research

Laufzeit: 1.1.2013 – 31.5.2016

Finanzierung: SNF

Methoden: öffentliche Anthropologie, Medienethnografie, Wahrnehmungsspaziergänge, Medientagebücher, mental maps, qualitative Interviews

Vergangene Veranstaltungen:

  • „Mediale Grenzziehungen und Ermächtigungen im städtischen Raum. Ethnografische Medien- und Stadtforschung“: Projektwoche im Rahmen von „Schweizer Jugend forscht“ im HS 13.

Dr. des. Katrin Sontag und Prof. Dr. Monika Götzö

Im Fokus stehen mobile hochqualifizierte Menschen, insbesondere Wissenschaftler_innen und Startup-Gründer_innen. Uns interessiert, wie sie Migration und Mobilität erleben und gestalten. 
Wir gehen davon aus, dass soziale und geografische Mobilitäten zeitlich und örtlich stark variieren können. Wissenschaftler_innen und Startup-Gründer_innen arbeiten untern anderem in internationalen virtuellen Teams, wechseln häufig den Ort, sind an verschiedenen Orten gleichzeitig tätig, pendeln auch über lange Distanzen, vernetzen sich in mehreren Netzwerken und nehmen gleichzeitig unterschiedliche soziale Positionen ein. Wir fragen beispielsweise nach der Rolle, welche Orte für diese Zielgruppe spielen, die sich durch gesetzliche Neugestaltungen in Europa und Übersee relativ frei bewegen kann. Uns interessiert, wie Identitäten konstruiert werden und wie biografisch Sinn hergestellt wird. Ausgangspunkt der Forschung bilden biografische Konstruktionen als Ordnungsprozesse des Selbst, in denen sich die Bedeutung von Arbeit, Beruf, Orten sowie sozialen Netzwerken in einen Zusammenhang stellen lassen. 

Keywords: Migration, Mobilität, Hochqualifiziert, Hochmobil, Wissenschaftler, Startup, Jungunternehmer

Laufzeit: 2012 – 2015

Finanzierung: SNF

Methoden: biografische Interviews

Publikationen:

  • Götzö, Monika und Katrin Sontag (2015): Ansätze für eine kulturanthropologische Untersuchung hochqualifizierter Migrantinnen und Migranten: Eine kulturwissenschaftliche Bestandsaufnahme. In: Studer, Brigitte, C. Arni, W. Leimgruber, J. Matthieu und L. Tissot (Hg.): Die Schweiz anderswo – La Suisse ailleurs. Auslandsschweizerinnen und -schweizer im Ausland; Schweizerisches Jahrbuch für Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Band 29. Zürich: Chronos.

  • Duchêne-Lacroix, Cédric, Monika Götzö und Katrin Sontag (2016): The experience of multilocal living – mobile immobilities or immobile mobilities? In: Gutekunst, Miriam, A. Hackl, S. Leoncini, J. Schwarz und I. Götz (Hg.): Bounded Mobilities. Ethnographic Perspectives on Social Hierarchies and Global Inequalities. Bielefeld: Transcript.

  • Sontag, Katrin (2015): Narrating Multiple Mobilities of Startup Founders. In: Vailati, Alex und Carmen Rial (Hg.): Migration of Rich Immigrants. Gender, Ethncity and Class. London: Palgrave Macmillan.

  • Götzö, Monika und Katrin Sontag (2015): The pursuit of happiness? Migration von Hochqualifizierten. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 111, S. 41-62.

lic. phil. Bernadette Brunner

Wie wirkt sich Wohnortungleichheit auf die Zugehörigkeitskonstruktionen Jugendlicher aus? Im Zentrum stehen die Identifikations- und Abgrenzungsdynamiken unter Schülerinnen und Schülern des 8. und 9. Schuljahrs in zwei Berner Stadtteilen: Einer ist von Migration und sozioökonomischer Benachteiligung geprägt, beim anderen handelt es sich um ein privilegiertes Mittelstandsquartier mit einem niedrigen Anteil „migrantischer Bevölkerung“. Während im einen Schülerinnen und Schüler aus Klassen mit Grundanforderungen (Realschüler_innen) sowie sozioökonomisch benachteiligte Jugendliche und Kinder aus migrantischen Familien in der Mehrheit bilden, stellen sie im anderen eine Minderheit dar. Die Ungleichverteilung verschiedener Bevölkerungsgruppen im urbanen Raum strukturiert die Prozesse der Identifikation und Abgrenzung unter den Jugendlichen wie auch ihre schulischen und beruflichen Ziele. Migration zeigt sich dabei als Phänomen, das bewegt – diejenigen, die selbst wandern und ihre Nachkommen genauso wie die involvierten Gesellschaften. 

Keywords: 
Segregation, Zugehörigkeit, Jugendliche, Bildung, Migration, Selbstrepräsentation

Laufzeit: 2011 – 2014

Methoden: 
Audiovisuelle Selbstrepräsentation (Videoworkshops), teilnehmende Beobachtung, halbstrukturierte Interviews (photo elicitation)

English:

Adolescent Identity Management in Transnationalised Spaces – Audio-visual and Narrative Self-representations“

The project investigates the influence of residential segregation on the constructions of belonging among youths. It focuses on the dynamics of identification and differentiation among students aged 14 to 16 years in two different neighbourhoods in the Swiss city of Bern: one of them is marked by migration and socio-economic disadvantage, the other is more privileged and less transnationalised. Whereas in one area low-track students, socio-economically disadvantaged adolescents and migrant youths are dominant, these groups constitute minorities in the other. The uneven distribution of different sections of the population over the urban space structures the processes of identification and differentiation among the studied youths as well as their educational and professional ambitions. Thereby, migration appears as a phenomenon that does not leave untouched neither the ones migrating nor their children or the societies involved.

Keywords: Segregation, Belonging, Youths, Education, Migration, Self-representation

Publikationen:

Erscheinen demnächst:

  • Brunner, Bernadette, Kathrin Oester, Ursula Fiechter: Bern West – Ein Sozialraum aus Sicht der Jugendlichen. In: Elisabeth Bäschlin, Heike Mayer, Martin Hasler: Stadt und Umland Bern. Jahrbuch 64 der Geographischen Gesellschaft Bern. Bern.
  • Oester, Kathrin, Bernadette Brunner: L’ethnographie de la performance comme forme spécifique de la production du savoir. In: Arnd Schneider, Bernard Müller & Caterina Pasqualino: Le terrain comme mise en scène. Paris.  

Erschienen:

  • Oester, Kathrin, Bernadette Brunner: Performance Ethnografie. Jugendliche Selbstrepräsentationen im Kontext von Jean Rouchs partizipativem Forschungsstil. In: Tsantsa – Zeitschrift der Schweizerischen Ethnologischen Gesellschaft 17 (2012), 139 – 149. 
  • Brunner, Bernadette, Kathrin Oester: Doing Identity in Transnationalised Spaces – Adolescents‘ Self-representation in Urban Switzerland. Working Paper Centre on Migration, Citizenship and Development, Bielefeld 75 (2010). 

Vergangenen Lehrveranstaltungen:

  • HS 2011: „Heterogenität – Umgangsweisen mit Differenz und Ungleichheiten“, Seminar am Institut Vorschul- und Primarstufe, PHBern

Tagungen