Materialität, Performativität und Musealität

Seideunterwäsche 1920er Jahre, Hanro_Sammlung

Mit dem Fokus auf den Objektivationen menschlicher Existenz steht dieser Schwerpunkt zum einen in der Tradition klassisch volkskundlichen Arbeitens, zum anderen öffnet die Orientierung an den (Material) Cultural Studies die Perspektive: Der Blick richtet sich auf ästhetische Praktiken, auf die sinn-stiftende Bedeutung und die Inszenierung der Dinge innerhalb performativer Prozesse. Es geht um materielle Kultur als hochkomplexes Bedeutungssystem. Sie in ihrer Multidimensionalität und -funktionalität systematisch zu erschliessen und zu erforschen, ist Ziel verschiedener kulturhistorisch ausgerichteter Projekte. Diese wenden sich beispielsweise Kleidung und Mode zu und gehen dabei erstens den kulturellen Bedeutungen von Materialien, Silhouetten, Formen, Strukturen und Texturen nach. Zweitens interessiert der „Auftritt der Dinge“, das heisst die verschiedenen Kulturen des Zeigens als Bild und Film, Warenhaus und Museum, Schaufenster und Laufsteg. Drittens werden museale Sammlungen als epistemische Orte untersucht, in denen zeitgebundene Wissensformen und -praktiken geronnen und materialisiert sind. In den nächsten Jahren ermöglicht der Studienschwerpunkt “Kulturanthropologie der Kleidung”, einen vielschichtigen “Sonderfall” materieller Kultur zu analysieren. 
Dem multiperspektivischen Blick auf materielle Kultur entsprechen institutionelle Kooperationen mit Museen und Hochschulen, an denen Design theoretisch und praktisch vermittelt wird.

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 Pressespiegel Hanro-Sammlung:

Jüdische Kunsthändler am Puls der Kunstwelt in der Schweiz im 20. Jahrhundert

Elisabeth Eggimann-Gerber, Lic. phil.

Die Dissertation von Elisabeth Eggimann-Gerber im Fach Neuere allgemeine Geschichte zu Jüdische Kunsthändler am Puls der Kunstwelt in der Schweiz im 20. Jahrhundert widmet sich mit einem biographischen Ansatz den Galeristen und Kunsthändlern, vorab Tony Aktuarius in Zürich, die in den Jahren 1914 bis 1950 auch insbesondere das damalige zeitgenössische Schweizer Kunstschaffen beförderten, das heute in Museum und Sammlungen sowie dem Kunstmarkt seine Spuren hinterlassen hat.

Betreuer: Prof. Dr. Jacques Picard

Umgang mit "Heiligem". Eine Untersuchung der Lehren und Praxen von monotheistischen Religionen mit materiellen Kulturgütern

Beate Weinhold, M.A.

Die Dissertation von Beate Weinhold zum Umgang mit "Heiligem". Eine Untersuchung der Lehren und Praxen von monotheistischen Religionen mit materiellen Kulturgütern widmet sich einem aktuellen Problem an der Schnittstelle von Kulturanthropologie, Volkskunde und Religionswissenschaft sowie Judaistik. Ein besonderes Merkmal von Religion als Paradigma umfassender Wirklichkeitsbetrachtung und -bewältigung ist es, dass sie die dem Menschen zugängliche Wirklichkeit als von einer anderen Wirklichkeit getragen erfährt, die sich als Geheimnis und Heiliges, als Transzendentes und Unfassbares und gegenüber dem menschlichen Zugriff Unverfügbares kundtut. Die der Wirklichkeit des Heiligen entsprechende Grundhaltung des homo religiosus ist die der Ehrfurcht, der Verehrung, der Bundestreue und der religiösen Scheu. Für diese Ambivalenz religiöser Erfahrung stehen Begriffe wie das „Numinose“ und das als „Mysterium fascinosum“ und „Mysterium tremendum“ Bezeichnete. Wie nun aber in säkularen Gesellschaften ein kultureller Umgang gefunden wird, um mit dem "Heiligen" in Gestalt von Büchern, Gegenständen, Räumen oder Riten als materielle und immatrielle Güter zurecht zu kommen, steht im Zentrum der Dissertation. Dies soll an Beispielen untersucht werden, so u.a. an heute verlassenen Synagogen und Genisafunden, die in Deutschland geborgen und inventarisiert wurden. Generell fragt die Untersuchung indes auch nach dem Umgang mit solchen Artefakten in den Religionen selbst. Wie wird mit nicht mehr benutzten/benutzbaren Gegenständen umgegangen? Gibt es religionsübergreifende Invarianten, beziehungsweise Differenzen hinsichtlich der Ablagepraxis? Existieren in den offiziellen Lehren und Praxen der einzelnen Religionen spezielle Verhaltensnormen für den Umgang mit diesen Objekten? Hat die Volksfrömmigkeit der jeweiligen Religion unabhängig von der Existenz oder Nichtexistenz normativer Regelwerke einen eigenen Verhaltenskodex im Umgang mit heiligen Dingen entwickelt?

Betreuer: Prof. Dr. Jacques Picard