Kultur: Kulturtheorie, Kulturpolitik

Verantwortliche Ansprechpartnerin: Theres Inauen

Weitere Beteiligte: Walter Leimgruber, Ina Dietzsch, Sabine Eggmann, Konrad Kuhn, Eberhard Wolff, Julian Genner, Julia Büchel, Sebastian Dümling

Forschungsprojekte

Dissertationen

Theres Inauen

Projektleitung: Walter Leimgruber

Projektlaufzeit: Januar 2015 bis Dezember 2019

Das Dissertationsprojekt ethnografiert ausgehend von aktuellen Debatten und konkreten Projekten Kulturförderung als ein komplexes (Ver-)Handlungsfeld, in dem unterschiedliche Akteur_innen auf verschiedenen politischen Handlungsebenen, in Bezug auf verschiedene politische, geografische und/oder gesellschaftliche Referenzrahmen und mit verschiedenen Interessen und Zielen ‚Kultur’ planen, unterstützen und schaffen. Das Forschungsprojekt fragt nach dem Zusammenhang zwischen (als solche wahrgenommenen und bezeichneten) gesellschaftlichen Transformationsprozessen und den Werten und Funktionen, die ‚Kultur’ in der Reaktion auf oder im Versuch der Mitgestaltung solcher Prozesse zugeschrieben werden.

Im Frühjahr 2015 wurde die Stiftung Erbprozent Kultur lanciert. Die national ausgerichtete Schweizer Stiftung gründet auf der Idee, dass jede private Person – unabhängig von Herkunft und Höhe des Vermögens – ein Prozent ihres persönlichen Erbes für die Förderung von Kultur stiften kann. Alle Personen, die ein Erbversprechen abgeben, sind eingeladen, die Stiftungstätigkeiten aktiv mitzugestalten: In regelmässigen Foren werden der Kulturbegriff der Stiftung sowie die Förderinstrumente gemeinsam diskutiert und weiterentwickelt. In einer zweijährigen Aufbauphase, die mit kantonalen Fördermitteln und Beiträgen anderer Stiftungen finanziert wird, soll das Profil von Erbprozent Kultur in offenen Debatten weiter geschärft und die Stiftung in der Schweizer Förderlandschaft positioniert werden.

Die partizipative Aufbauphase der Stiftung stellt ein konkretes kulturpolitisches (Ver-)Handlungsfeld dar, in dem verschiedene Ansprüche an und Vorstellungen von ‚Kultur’ für eine Gesellschaft (im Wandel) sichtbar werden. Gleichzeitig dient die Stiftung als Ausgangspunkt, um das heterogene Feld aktueller Kulturförderungs-Formate, -Akteur_innen und deren -Logiken zu erschliessen: Die Stiftung positioniert sich zu anderen staatlichen und nicht-staatlichen Kulturförderinstanzen, sie diskutiert ihre Situiertheit in einem nationalen rechtlichen Rahmen und sie knüpft an einer Thematik an, die Kulturförderung auch in anderen Formaten und Zusammenhängen prägt: Prozesse des (Ver-)Erbens. Kulturförderung wird an diesem konkreten Untersuchungsfeld als eine kulturelle Praxis deutlich sichtbar und damit für die kulturanthropologische Erforschung zugänglich.

Anhand teilnehmender Beobachtungen, qualitativer Interviews mit verschiedenen involvierten Akteur_innen sowie der Analyse von im kulturpolitischen (Ver-)Handlungsprozess erstellten Dokumenten soll Kulturförderung als kulturelle Praxis beschrieben und analysiert werden, an welcher auch die (forschende) Kulturanthropologin aktiv partizipiert.